Tipps

Irmi Wette

Vorneweg stelle ich den Satz, den ich immer den Eltern und Pädagogen mit auf den Weg gebe, wenn sie mich fragen, was sie denn machen sollen beziehungsweise wie sie denn Kinder vor Missbrauch am besten schützen können: Jeder Mensch ist mit einem gesunden, intakten Gefühl für sich selbst und die eigenen, ganz individuellen Grenzen auf die Welt gekommen.

Um Kinder vor Missbrauch zu schützen, finde ich es ganz besonders wichtig, Kinder in ihrer Wahrnehmung für ihre eigenen Grenzen zu stärken und diese auch aufrichtig zu akzeptieren, statt diese sensiblen Grenzen als mächtiger Erwachsener aus eigennützigen Bedürfnissen nach Nähe zu übertreten und zu zerstören. Den Kindern diesen Respekt zu schenken bedeutet für mich tatsächliche, wahrhaftige (uneigennützige) Liebe.

Vater

The papa
Es fällt Kindern leichter und sie können schneller Hilfe holen, wenn sie ihre Vertrauensperson(en) und auch Anlaufstellen kennen. Manchmal ist es nicht einfach, und es kann leider auch passieren, dass Kinder nicht sofort beim ersten Versuch die nötige Unterstützung und Hilfe bekommen. Stärken Sie Ihre Kinder darin, nicht gleich aufzugeben, sondern so lange nach Hilfe und Unterstützung zu fragen, bis jemand aktiv hilft.
Wenden sie sich bei Fragen und in Notsituationen vertrauensvoll an die örtlichen Beratungseinrichtungen.


Mutter

Wenn ihr Kind nur ungerne oder gar nicht über seine vielleicht unangenehmen und schlechten Erfahrungen sprechen möchte, haben Sie Geduld und zeigen sie ihrem Kind gegenüber Verständnis.The mama

Teilen sie ihren Kindern mit, dass es in Ordnung ist und dass es ganz schön viel Kraft und Mut benötigt, über schlechte Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Das Kind darf auf keinen Fall das Gefühl bekommen, es sei deshalb schwach. Vermitteln sie ihm unbedingt, dass es niemals Schuld hat.
Stärken sie ihr Kind in der bewussten Wahrnehmung unterschiedlicher Empfindungen. Körperliche Nähe, Berührungen, Streicheln und Schmusen sind für die kindliche Entwicklung unbeschreiblich wichtig. Kinder erleben dadurch Geborgenheit und Vertrauen, sie lernen auch den eigenen Körper kennen. Diese Erfahrungen positiver Empfindungen kann man nutzen, um über gute und schlechte Berührungen zu sprechen.

Kinder sollen lernen und darin bestärkt werden, selbst zu spüren, welche Berührungen für sie angenehm und welche unangenehm sind.

Erklären sie ihren Kindern, dass sie die doofen Schlabberküsse und unangenehmen Umarmungen oder andere Berührungen nicht erdulden müssen, bei niemandem, auch nicht bei Ihnen selbst. Erlauben sie ihren Kindern ausdrücklich, diese klar und deutlich zurückzuweisen (zum Beispiel feuchte Abschiedsküsse von Oma und Opa oder anderen Verwandten).
Teilen sie ihren Kindern immer wieder mit, dass niemand — weder Erwachsene, noch Jugendliche, noch ältere oder gleichaltrige Kinder — das Recht haben, sie am ganzen Körper, egal wo zu berühren: der Körper gehört allein dem Kind und nur es selbst darf Berührungen zulassen.
Allerdings müssen Kinder auch lernen, dass es notwendige unangenehme Berührungen geben kann, die für die eigene Gesundheit wichtig sein können, wie Untersuchungen beim Arzt oder im Krankenhaus. Hierauf können Kinder spielerisch vorbereitet werden.


Sausi und Brausi
SausiBrausi02Geheimnisse sind saustark – aber nur, wenn es schöne Geheimnisse sind.
Geheimnisse sind spannend und aufregend und werden von Kindern sehr geliebt. Kinder haben, was Geheimnisse betrifft, einen starken Ehrenkodex. Es liegt ihnen sehr viel daran, Geheimnisse nicht zu verraten.
Täter kennen die Bedürfnisse der Kinder in den meisten Fällen sehr gut und nutzen dieses Wissen über deren Ehrenkodex aus. Sie verpacken ihre Tat mit erpresserischen Drohungen in ein angeblich wichtiges Geheimnis. Daher kommt es darauf an, Kindern zu vermitteln, dass sie zwischen guten und schlechten Geheimnissen unterscheiden müssen. Schlechte Geheimnisse und Geheimhaltungsdruck betrüben und verursachen schlechte Gefühle, die kein Kind ertragen muss. Diese Geheimnisse dürfen immer einer Vertrauensperson verraten werden.
Und — nicht zu vergessen: Es gibt natürlich auch saustarke Verwandte! Lassen Sie Ihre Kinder doch mal die tollen Eigenschaften der coolen Verwandten aufzählen oder eben das beschreiben, was sie besonders an ihren Tanten, Onkel oder Omas und Opas mögen.


Die Katzenfee
Kinder sollen stark werden, so heißt es bei allen Präventionsmaßnahmen.Katzenfee26
Damit Kindern zu selbstbewussten und starken Kindern heranwachsen, die mutig durchs Leben gehen, brauchen sie die liebevolle Erziehung und Begleitung von Erwachsenen, die ihnen Aufmerksamkeit, Geborgenheit, Zärtlichkeit, Zeit, Liebe und Sicherheit schenken.
Über das Pfoten weg!-Lied und die Geschichte der drei Katzenkinder können Kinder lernen ihre eigenen Grenzen und die der anderen zu erkennen und bewusst wahrzunehmen.
Somit lernen sie auch eigene Grenzen gegenüber Gleichaltrigen aber auch gegenüber Erwachsenen zu setzen und Grenzen anderer zu akzeptieren.
Kinder müssen das NEIN-Sagen immer wieder trainieren, um bei Grenzverletzungen richtig und schnell reagieren zu können.
Erklären Sie ihrem Kind/ihren Kindern, wie sie sich verhalten sollen und mit welchen Mitteln und Strategien sie sich zur Wehr setzen können, etwa durch NEIN! schreien, laut Feuer! rufen, Hilfe organisieren, sich in der Gruppe zusammenschließen und vieles mehr.
In unserer Geschichte Pfoten weg! sind es der Igel, der Hase und die beiden Wildschweine Sausi und Brausi, die den Katzenkindern hilfreiche Ratschläge gegen krakenartige Umarmungen und eklige Schlabberküsse geben.
Finden sie mit Ihren Kindern (am besten gemeinsam) heraus, an wen sie sich wendenund wem sie vertrauen können und wo sie Hilfe bekommen.
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